Die antike Mythologie
siedelte an der Südküste von Massa Lubrense mit ihren vorgelagerten kleinen
Inseln (Vetara und Li
Galli) die, sagenumwobenen Sírenen an, auf die der ursprüngliche Ortsname Sirenusion
zurückzuführen ist. Odysseus, nachdem er ihren Gesang gehört hat, soll
hier gelandet sein und den berühmten Tempel der Athene,
gegründet haben.
Die Ureinwohner dieser
Gegend waren wahrscheinlich zwei Völker italischer Rasse: die Ausoni
und die Osci. Dies bezeugt eine Felseninschrift, die vor einigen Jahren auf
dem Kalkfelsen, der den östlichen Landeplatz der Punta Campanella beherrscht, entdeckt wurde.
Mit der Gründung einer
griechischen Kolonie bezeichnete der Name des Tempels (Athenaion) die äusserste Spitze der Halbinsel. Selbst während römischer
Zeit, als die Gegend als Promontorium
Minervae bekannt war, hielten sich hier typische hellenistische Einflüsse.
Dieser Name wird auf der Tabula
Poitingeriana (9. Jahrh.) neben der ersten grafischen DarstelIung des
Tempels erwähnt.
Erst
im I. Jahrhundert gelang es der lateinischen Kultur sich mlt dem Eintreffen
reicher Patrizíer durchzusetzen, die hier den Sommer in ihren luxuriösen
Villen verbrachten, von denen auch heute noch hochinteressante Reste zu sehen
sind. Grössere Ansiedlungen existierten hier nicht. Ausser den Vlllen der römischen
Oberschicht qab es nur wenige verstreute Häuser, deren Bewohner von
Landwirtschaft lebten, Veteranen des Augustus hatten in der Gegend kleine Güter
zur Bewirtschaftung erhalten.
Das
Christentum erreichte die Halbinsel wahrscheinlich bereits mit den Aposteln. Es
entwickelte sich jedoch mit Verspätunq und ersetzte langsam heidnische Kulte.
Im Mittellalter folgten lange Perioden voller Armut für die einheimsche Bevölkerung,
die der Vasallenschaft unterworfen und ständig sarazenischen Angriffen
ausgesetzt war. Gleichzeitig bildeten sich die ersten sozialen Gruppen, die zusätzlich
zur Landwirtschaft, die jedoch nach wie vor, vorherrschte, neue Aktivitäten
schufen.
Danach
bildeten sich die ersten residenziellen Kerne, aus denen zahlreiche Gehöfte
(casali) entstanden, die später Weiler und schliesslich Ortsteil genannt wurden,
und die auch heute noch die sozio-administrative Struktur der Gemeinde
darstellen.
Der Narne Massa erscheint
nach der kurzen Langobardenherrschaft (6, Jahrhundert); es musste jedoch viel
Zeit vergehen, bis er sich endgültig durchsetzte. Viele Historiker verfechten,
dass der Name Massa von mansa
herstammt: ein lorigobardischer Begriff für einen Ort, der sich für die
Landwirtschaft eignet. Dem Namen Massa wurde im Jahr 938 das Adjektiv publica
(öffentlich) zugefügt. Dies bedeutete staatliches Eigentum, d. h ein öffentliches
Gebiet, das offenbar dem Staat Sorrent gehörte. Um 1306 wurde das Adjektiv publica durch Lubrensis ersetzt
(delubrum = Tempel, der sich auf die
Kathedrale bezieht, die sich am Strand von "Fontanella"befand).
Zusammen mit diesem neuen Adjektiv übernahm die Gemeinde das Bild der Jungfrau
della Lobra in ihr Wappen. Im allgemeinen Gebrauch bezog sich der Name Massa
ohne Adjektjv auf die Ökonomie der Kathedrale, die heute als Zentrum oder
Hauptort bezeichnet wird.
Bis zum Beginn des
Normannenreichs gehörte Massa Lubrense mit wechselndem Geschick zum Herzogtum
Sorrent. Unter den Staufern begann die Emanzipation des Ortes, als er zur Stadt (civitas)
ernannt wurde. Seine Bürger, in der Mehrzahl Ghibellinen, unterlagen 1273
Repressalien durch Karl von Anjou, der ihr Gebiet dem von Sorrent wieder
eingliederte.
Es
folgten konfuse und destruktive Ereignisse bis zum Jahr 1465, als Ferrante von
Aragon nach zweijähriger Belagerung den Weiler Annunziata zerstörte, der Sitz
des Bischofs und der weltlichen Autorität war: der einzige Weiler mit einem
Turm und Ringmauer.
Johanna
II von Durazzo, lebte im Weiler Quarazzano in einem prächtigem Palast, auf
dessen Resten Anfang des 16. Jahrhunderts der Jesuit Vincenzo Maggio das
imposante Bauwerk des Kollegiums (Il Quartiere)
errichtete, mit dazugehörigem hohen Wehrturm (il Torrione), der ein wichtiges Werk der Befestigungsarchitektur und
ein herausragendes Merkmal der Stadt ist.
Während
der Herrschatt der spanischen Vizekönige erlebte Massa Lubrense eine Periode
politischer Wirren, in einer Epoche moralischer und staatlicher Dekadenz, die
durch häufige Überfälle sarazenischer Seeräuber verschlimmert wurde. Diese
verschleppten im Jahr 1558, nach schrecklichen Verheerungen, etwa 1500 Massesen
als Sklaven, von denen einige später freigekauft werden konnten.
Die ständige Bedrohung
vom Meer her, veranlasste die Massesen entlang der Küste Wachtürme zu
errichten, die heute die Landschaft prägen. Fast alle stehen noch und sind
recht gut erhalten.
Im
Jahr 1656 breitete sich die Pest, die einige Jahre vorher in Neapel ausgebrochen
war, auch in unserem Gebiet aus und verursachte viele Opfer.
Während
der Herrschaft der französischen Bourbonen schliesslich hielt auch in Massa der
Fortschritt der Zeit Einzug und neben der alten Bauernkultur entwickelten sich
kommerzielle und handwerkliche Aktivitäten. Da Verkehrswege zu Lande fehlten,
verkehrte eine ansehnliche Flotte grosser Schiffe mit der Hauptstadt (Neapel)
und anderen Häfen des Mittelmeers. Landwirtschaftliche Produkte wurden ebenso
ausgeführt wie Vieh und handwerkliche Erzeugnisse. Eingeführt wurden Rohstoffe
und allgemeine Verbrauchsgüter. Der Handel mit Neapel war derart intensiv, dass
ein ganzes Viertel In der Nähe des Hafens den Namen Porta di Massa erhielt.
Während der Partenopäischen
Republik im Jahr 1799 wagte das junge intellektuelle Neapel seinen Aufstand.
Auch Massa gab seinen Beitrag an Menschen und Ideen: drei Bürger, Luigi
Bozzaotra, Severo Caputo und Nicola Pacifico fielen der Repression zum Opfer,
und wurden hingerichtet.
Im
Jahr 1808 leitete Napoleons Schwager Gioacchino Murat von der Villa Rossi im Weiler Annunziata aus die militärischen Operationen
gegen die Engländer, die Capri besetzt hielten. Nach der Rückkehr der
Bourbonen auf den Thron von Neapel fanden zahlreiche Verschwörungen statt, bis
zur Befreiung des Konigsreichs beider
Sizilien, auf die die Einheit Italiens folgte.
Ab Ende des 18.
Jahrhunderts und bis nach dem Ersten Weltkrieg fand eine erste massive
Emigrationswelle statt, besonders nach dem amerikanischen Kontinent und
Neuseeland. Jedoch auch nach dem Zweiten Weltkrieg verliess eine grosse Anzahl
von Bürgern auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen das Land.
Die zahlreichen Steinbrüche (die wichtigsten waren die von Marcigliano, Puolo
und Jeranto) hingegen, die während der zwanziger Jahre entstanden waren, zogen
viele sardische Arbeiter an, die sich ohne Schwierigkeiten in die soziale
Struktur von Massa eingliederten.
Während
des Zweiten Weltkriegs fand eine grosse Anzahl an Flüchtlingen, besonders aus
Neapel, das stark bombardiert worden war, Zuflucht in Massas herrschaftlichen Häusern.
Nach dem Waffenstillstand von 1943 wurden viele zerstreute Soldaten, die ihre
Verteidigungsposten an der Küste (Tore
und Reola) aufgegeben hatten, von
Familien in Massa aufgenommen. Viele von ihnen blieben nach Ende des Krieges und
gründeten eine Familie; andere kehrten mit ihren jungen Ehefrauen nach Hause zurück. Im Jahr 1944 wurden
viele Flüchtlingsgruppen aus Cassirio und Nettuno aufgenommen, und kleine
Kontingente irischer und amerikanischer Soldaten kamen zur Erholung nach Massa,
bzw. St. Agata.
Während der letzten Jahrzehnte florierte die Agrawirtschaft trotz der Krise in diesem Bereich. Dank Leistungssteigerung und Verbesserung der Hotelstruktur und der Kommunikationsnetze ist auch die Bilanz des nazionalen und internationalen Tourismus zufriedenstellend.
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